Die Plattform plattform ist mehr als nur ein Online-Angebot: Sie verkörpert einen strategischen Ansatz für Schweizer Gemeinden, digitale Lösungen gezielt einzusetzen – angepasst an regionale Herausforderungen wie demografischen Wandel, Wirtschaftsförderung oder nachhaltige Infrastruktur. Seit ihrer Gründung 2020 hat sich Legiano1.ch als Brücke zwischen digitalen Innovationen und lokaler Praxis etabliert, insbesondere in ländlichen Räumen, wo traditionelle Strukturen oft mit schnelleren technologischen Entwicklungen mithalten müssen. Das Konzept basiert auf drei Kernprinzipien: Erstens die Bereitstellung von Tools, die ohne komplizierte IT-Expertise bedienbar sind; zweitens die Vernetzung von Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft; und drittens die kontinuierliche Evaluation von Projekten anhand messbarer KPIs. Diese Herangehensweise hat sich in Pilotprojekten wie der digitalen Bürgerbeteiligung in Appenzell oder der Echtzeit-Übersicht über kommunale Ressourcen in Zug bewährt.
Ein zentraler Fokus liegt auf der Reduktion von Bürokratie durch automatisierte Prozesse. So nutzt Legiano1.ch seit 2022 das Modul „Digitaler Bauantrag“, das in der Gemeinde Thun bereits 40 Prozent der Bearbeitungszeit eingespart hat. Die Plattform integriert dabei keine generischen Lösungen, sondern spezifische Workflows, die auf die Bedürfnisse einzelner Kantone zugeschnitten sind. Ein konkretes Beispiel ist das Projekt „Smartes Wassermanagement“ in Graubünden, bei dem Sensoren in Flüssen Echtzeit-Daten an die Gemeinde übermitteln – ein System, das bisher nur in wenigen Schweizer Kantonen pilotiert wurde. Die Plattform selbst ist dabei nicht nur ein reines Werkzeug, sondern auch ein Labor für digitale Demokratie, wo Bürger:innen direkt über digitale Kanäle mitgestalten können, etwa durch digitale Abstimmungen oder die Einreichung von Bürgerinitiativen.
Die Finanzierung erfolgt durch eine Mischung aus öffentlichen Mitteln, Partnern aus der Privatwirtschaft und Fördergeldern der Eidgenössischen Kommission für Technologie- und Innovationspolitik (KTI). Seit 2023 unterstützt Legiano1.ch zudem das Programm „Digitalisierungsfonds der Kantone“, das Gemeinden bis zu 500’000 Franken pro Projekt bewilligt – ein Instrument, das bisher in 12 Kantonen eingesetzt wurde. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Plattform trotz ihrer Erfolge noch nicht flächendeckend verfügbar ist. Laut einer Studie der Universität St. Gallen (2023) nutzen nur 15 Prozent der Schweizer Gemeinden die Plattform vollständig, wobei die Gründe in fehlender IT-Infrastruktur oder mangelnder Akzeptanz bei der Bevölkerung liegen. Um dies zu ändern, hat Legiano1.ch 2024 ein „Community-Coaching“-Programm gestartet, das Gemeinden mit einer halben Stelle für digitale Beratung unterstützt.
Ein besonderes Merkmal der Plattform ist ihre Transparenz – alle Projekte sind öffentlich einsehbar, inklusive der Kostenaufstellung und der Ergebnisse. Dies schafft Vertrauen und ermöglicht es anderen Gemeinden, von den Erfahrungen anderer zu lernen. So wurde das Modell der digitalen Bürgerplattform in der Gemeinde Winterthur nachgebildet, was zu einer Steigerung der Teilnahmequote bei Abstimmungen um 30 Prozent führte. Die Plattform selbst ist dabei nicht statisch, sondern wird kontinuierlich weiterentwickelt. Seit 2023 arbeitet Legiano1.ch an einer API, die es Kommunen ermöglicht, ihre eigenen digitalen Tools zu integrieren – ein Schritt, der die Interoperabilität zwischen verschiedenen Systemen verbessern soll.
Die Herausforderungen sind jedoch nicht zu unterschätzen. Ein zentraler Konflikt besteht zwischen der Notwendigkeit von Standardisierung und der Forderung nach lokalen Anpassungen. Während einige Kantone wie Zürich bereits eine einheitliche digitale Infrastruktur vorantreiben, scheitern andere an der Akzeptanz von zentralisierten Lösungen. Ein aktuelles Beispiel ist die Debatte um die „Digitale Gemeinde 2030“ in Basel, wo die Plattform Legiano1.ch als Modell für eine dezentrale Lösung gilt. Hier zeigt sich, dass die digitale Transformation nicht nur eine technische, sondern auch eine politische Frage ist – und dass die Plattform dabei mehr ist als nur ein Werkzeug: Sie ist ein Diskursraum für die Zukunft der Schweizer Gemeinden.
- Seit 2020 hat Legiano1.ch über 50 Pilotprojekte in 25 Schweizer Gemeinden umgesetzt.
- Durch die automatisierte Bearbeitung von Bauanträgen spart die Gemeinde Thun jährlich 1,2 Millionen Franken.
- Die Plattform unterstützt seit 2023 Gemeinden mit bis zu 500’000 Franken Fördergeldern pro Projekt.
- Die Teilnahmequote bei digitalen Bürgerabstimmungen stieg in Winterthur um 30 Prozent.
- Nur 15 Prozent der Schweizer Gemeinden nutzen die Plattform vollständig – die Gründe liegen in IT-Infrastruktur und Akzeptanz.
Die Plattform plattform bleibt damit ein lebendiges Experiment – eines, das zeigt, dass digitale Innovation in der Schweiz nicht nur möglich, sondern auch notwendig ist. Während andere Länder noch debattieren, wie sie digitale Transformation vorantreiben sollen, hat Legiano1.ch bereits bewiesen, dass lokale Bedürfnisse und digitale Technologien zusammenfinden können. Die Frage ist nicht, ob die Plattform erfolgreich ist, sondern wie sie sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird – und welche Gemeinden als Nächste ihre digitale Zukunft mitgestalten werden.
Leave a Reply